Am Sonntag Morgen sind wir dann in die Kirche gegangen. Es war einfach so eine Idee, eine Art des Zeitvertreibs, da in Owaka echt nichts los ist und das einzige Schwimmbad geschlossen hatte, aber wie sich herausstellte, sollte es unsere Situation erheblich verändern.
Um halb 11 ging der Gottesdienst los. Die Kirche war winzig klein und mit ungefähr 20 Leuten gut gefüllt. In so einer kleinen Gemeinde fielen wir natürlich total auf und wurden auch schon direkt von dem ein oder anderen angesprochen, darunter auch dem Pfarrer, der sich aber nicht von der Masse abgehoben hat, da er ganz normale Kleidung an hatte. Auf jeden Fall wurden wir dann gleich bei der Gottesdiensteröffnung mit Namen begrüßt, damit auch wirklich jeder wusste, dass wir da waren.
Nach dem Gottesdienst wurden wir dann von vielen Leuten angesprochen, die alle wissen wollten wo wir her kommen und was wir so machen, also habe wir schön artig jeden Mal unsere „kaputter Van“-Geschichte erzählt. Sofort wurde darüber gefachsimpelt und philosophiert wer uns helfen könne und schließlich wurden wir an Murray weiter geleitet. Murray ist ein netter, pensionierter Farmer, deren große Leidenschaften das Klavierspielen und Motorräder sind. Er und seine Frau haben uns dann erst mal zum Mittagessen eingeladen und mit in ihr Haus genommen. Die beiden Enkelkinder waren auch zu Besuch und so haben wir erst mal alle zusammen gegessen. Danach wurde uns von Murray die Farm gezeigt, denn auch als Rentner besitzt er noch ein beträchtliches Stückchen Land, einen Hofhund, zwei Katzen und zwei Schafe. Als er erfahren hat, dass ich Motorrad fahren kann hat er uns sofort zu zwei Dirtbikes geführt und mich mit einem davon fahren lassen, eines seiner Enkelkinder hinten drauf. Das zweite ist er selbst gefahren, mit Kaddi als Kopilot! So ging der Nachmittag wie im Flug vorbei und kaum haben wir uns versehen, da gab's auch schon Abendessen. Danach sind wir dann noch mal mit in die Kirche gekommen, denn an dem Abend hatten die so eine Art Diskussionsrunde. Zudem wurde uns angeboten, bei Murray und Judy zu übernachten und Murray wollte dann am Montag mit dem Mechaniker reden und gucken was sich machen lässt. Da unsere Taschen aber den ganzen Tag im Hostel standen mussten wir sowieso für die Nacht bezahlen, also sind wir nach der Kirche ins Hostel zurück gegangen. Davor wurden wir allerdings noch von der Pfarrfamilie auf eine Tasse Tee eingeladen. Also sind wir nach der Veranstaltung, die ungefähr bis 21 Uhr ging, noch mit zu ihnen gekommen. Dort haben wir dann Tee getrunken und uns bis 1 Uhr morgens unterhalten. Es war ziemlich interessant...

Am nächsten Morgen hat uns Judy dann am Hostel eingesammelt und uns ein wenig die Gegend gezeigt. Zusammen mit ihr waren wir an den Purakanui Falls, am Jack's Blowhole, in Balclutha zum Einkaufen und am Kaka Point, mit dem Ziel Pinguine zu sehen, was aber leider nicht geklappt hat (doofe Tiere).
In der Zeit in der wir weg waren hat Murray mit dem Mechaniker geredet und ausgemacht, dass der erstmal den Zylinderkopf abschraubt und dann nochmal einen sicheren Kostenvoranschlag macht, worüber wir ziemlich glücklich waren.
Am Dienstag Morgen sind wir dann mit Murray zu Freunden gefahren, um dort ein Klavier abzuholen, dass dann zur Pfarrfamilie gebracht werden sollte, also war die Familie auch da: Roly und Karen mit vier ihrer fünf Kinder, Jack (16), Anna (13), Oscar (11) und Avigail (4). Die älteste Tochter wohnt nicht mehr zu Hause. Zusammen mit ihnen haben wir dann einen Ausflug zum Lake Wilkie gemacht, während Murray das Klavier nach Owaka zurück gefahren hat. Als wir dann Nachmittags zurück kamen, hatte Murray eine schlechte Nachricht für uns: Die Kommunikation zwischen uns, Murray und dem Mechaniker ist irgendwie schief gelaufen und der Van war fertig repariert – für $800! Für so viel Geld wollten wir ihn ja aber eigentlich nicht reparieren lassen....jetzt standen wir vor der Frage, 800 Dollar bezahlen oder den Van in der Werkstatt stehen lassen. Unsere gute Laune und Zuversicht war damit erstmal verflogen und nach einer weiteren Nacht bei Murray und Judy haben wir uns dann dazu entschlossen das Geld zu bezahlen. So sind wir Mittwoch Nachmittag, nach einem Mittagessen bei Roly und Karen und mit $800 weniger im Geldbeutel, aber um die Erfahrung reicher, wunderbare, hilfsbereite Menschen kennen gelernt zu haben aufgebrochen, um mit unserer Rundreise weiter zu machen. Das Ziel für den Tag hieß Dunedin, eine wirklich schöne Stadt, in der wir auf einem Campingplatz übernachtet haben.

Am Donnerstag haben wir uns Dunedin dann genauer angesehen. Wir waren am Bahnhof und in der Art Galerie. Nachmittags haben wir und dann mit Murray und Judy getroffen, die eine Bekannte im Krankenhaus besucht haben und haben und mit ihnen zusammen noch die Baldwin Street angeschaut, die steilste Wohnstraße der Welt, deren Existenz angeblich auch im Guinnes Buch der Rekorde vermerkt ist!!!

Danach ging's dann weiter zur Otago Peninsula, wo wir eine Pinguin-Führung im Yellow-Eyed Penguin Conservation Reserve mit gemacht haben. Das war echt total klasse.

Die Veranstalter haben eine Art Tunnelsystem entlang der Wege der Pinguine gebaut, von wo aus man die Tiere beobachten kann, ohne das sie sich gestört fühlen und Angst bekommen. Auf diese Weise kommt man echt ziemlich dicht an die Pinguine dran und auch von weiter weg ist das einfach verdammt beeindruckend so einen Pinguin an Land watscheln zu sehen! Da wir die letzte Führung vor Sonnen
untergang mitgemac

ht haben, da das die beste Zeit ist die Pinguine zu sehen, da sie bloß für die Nacht an Land kommen, haben wir auch direkt auf der Halbinsel übernachtet, nämlich in Portobello. Von da aus ging es dann am Freitag zunächst nochmal nach Dunedin und später weiter Richtung Mt Cook. Ein Highlight der Weiterreise waren die Moeraki Boulders, eine Ansammlung kugelrunder Felsen am Strand von
Moeraki. Sie sehen aus wie von Riesen im Sand vergessene gigantische Murmeln! Das ganze wirkt etwas unnatürlich, ist aber gleichzeitig echt faszinierend.


Am Samstag sind wir dann über Omaru und Duntroon in Aoraki Mt Cook angekommen. Auf dem Weg dorthin haben wir uns die Elephant Rocks angeschaut, die ein wenig so sind wie Castle Hill. Das sind halt riesige Kalksteinfelsen die auf einmal mitten auf einer Ebenen auftauchen. Die Elephant Rocks sind allerdings weit weniger beeindruckend als Castle Hill. Ebenfalls auf dem Weg zu bewundern waren Maori Rock Drawings, also Felsmalereien. Man muss aber schon sagen, dass die Maori wesentlich besser im Jade schnitzen als im Felsen bemalen waren...
Aoraki Mt Cook ist ein kleines Dorf, in dem es außer dem Informationscenter wenig Interessantes gibt.

Die Berge lagen in dickem Nebel, sodass wir Mt Cook gar nicht wirklich sehen konnten. In der Hoffnung, dass sich die Wolken lichten haben wir die Nacht auf einem Campingplatz in der Nähe des Dorfes verbracht. Allerdings hatten wir auch am nächsten Tag wenig Glück Mt Cook zu erspähen, was wir allerdings sehen konnten war absolut beeindruckend. Wir haben eine ca. dreistündige Wanderung in das Hooker Valley gemacht. Auf dem Weg überquert man zweimal einen Gletscherfluss über Hängebrücken und kommt schließlich am Fuße des Gletschers an, an dem sich ein Gletschersee gebildet hat, in dem Eisblöcke

schwimmen. Es war echt mächtig kalt da oben....auf dem Rückweg haben sich die Wolken dann doch noch etwas verzogen und den Blick auf eine schneebedeckte Bergspitze freigegeben, auf die direkt die Sonne schien, einfach schön!
Nach der Wanderung sind wir noch etwas weiter gefahren, am Lake Tekapo vorbei zum Peel Forest, wo wir die nächste Nacht verbracht haben.
Am Montag sind wir dann weiter nach Akaroa gefahren, eine Stadt auf der Halbinsel bei Christchurch, mit französischem Straßenbezeichnungen und Namen für Lokale. Die Stadt wurde ursprünglich von französischen Siedlern gegründet, später aber von den Briten erobert. Der französische Ursprung ist ihr trotzdem erhalten geblieben.
In Akaroa haben wir erst mal einen leckeren Kaffee getrunken und wollten dann eigentlich Kanu fahren, allerdings wurden wir von der guten Frau vom Kanuverleih angeguckt, als wären wir vom Mond und darauf hingewiesen, dass es ja vieeel zu windig sei. Das war dann also leider nichts.
In Christchurch angekommen haben wir dann erstmal Robert auf Vordermann gebracht und unsere Taschen gepackt, was sich als ernsthafte Herausforderung herausstellte. Man merkt gar nicht wie viel Zeug sich so ansammelt, wenn man einen großen Van hat, in den alles rein passt!
Dienstag morgen sind wir dann in ein Hostel umgezogen. Das war mal wieder was ganz anderes. Wir waren in einem 6-Bettzimmer, dass eigentlich durchgehend voll belegt war und haben den Luxus des Vans doch etwas vermisst. In einem Hostelzimmer gehen die Insassen ca. in der Zeit von 19:30 Uhr bis 2:00 Uhr ins Bett und die ersten sind dann um 6:00 wieder auf den Beinen.....
Robert haben wir zum Backpackers' Car Market gebracht und wurden dort erstmal darauf hingewiesen, dass diese Zeit des Jahres absolut schlecht ist um einen Van zu verkaufen, da viele der Backpacker wieder nach Hause fahren und die „neuen“ erst so im August wieder ankommen. Das mit dem Backpackers' Markt funktioniert so, dass man das Auto da quasi abstellt und so was wie Parkgebühren bezahlt. Die sind für die ersten drei Tage $85. Wenn es super gut läuft wird man sein Auto in der Zeit angeblich auch los. Man bespricht halt einen Verkaufspreis und hängt den in sein Auto rein und das war's dann eigentlich, was man zu tun hat. Robert wurde natürlich nicht innerhalb von drei Tagen verkauft, weshalb wir nach Ablauf der drei Tage nochmals $250 bezahlen mussten. Dafür darf er jetzt aber dort stehen, bis er verkauft ist. In der Hoffnung, dass das schnell geht sind wir dann noch bis zum Dienstag, dem 06.04. in Christchurch geblieben, zumal uns die Leute vom Backpackers' Markt auch gesagt hatten, das wir einen Interessenten gehabt hätten. Der hat sich aber leider irgendwie in Luft aufgelöst.

Die Woche haben wir genutzt, um uns allerhand in Christchurch anzuschauen, so waren wir zum Beispiel in den Botanical Gardens, im Arts Center, einem ehemaligen Klostergebäude in dem heute eine Vielzahl kleiner Kunstgalerien zu finden sind, auf dem wöchentlich stattfindenden Kunstmarkt und im Canterbury Museum.
Dienstag ging es dann schon um 7:00 Uhr in der Früh weiter per Bus nach Blenheim und von dort aus nach Havelock, wo der nette Busfahrer uns genau vor der Einfahrt von Zillwoods raus geworfen hat, der Familie, bei der Kaddi Babysitter war. Hier wurden wir von den fünf Kids erstmal herzlich empfangen und sofort in sämtliche Spiele involviert. Am Mittwoch waren wir dann mit Simone (der Mutter) und den beiden kleinsten in Nelson, haben uns ein bisschen die Stadt angesehen und waren am Strand und später noch einkaufen. Mittwoch Morgen ist die Kaddi dann um 6:55 Uhr von Blenheim nach Auckland geflogen. Zum Flughafen wurde sie von Familie Zillwood gebracht, die mich dann noch am Bahnhof raus geschmissen hat, von wo aus meine Reise weitergeht...
Es war schon etwas seltsam nach über acht Monaten gemeinsam in einem fremden Land zu wissen, dass der andere nach Hause fährt. Es war eine absolut tolle Zeit, in der wir so viel zusammen erlebt haben und sowohl positive als auch negative Erfahrungen teilen konnten, was unheimlich geholfen hat.
Liebe Kaddi, es war toll mit dir! Ich wünsche dir heute einen guten Rückflug und das du heil zu hause ankommst!
Liebe Grüße an alle Daheimgebliebenen,
eure Eileen